Mi. 4.Oktober Monteriggioni

51,1km; 810Hm

Das Wetter, das für die nächsten Tage in Aussicht gestellt wurde, veranlasste uns, den Wandertag auf morgen zu verschieben. Für heute waren nur einzelne Regenschauer angekündigt. Also brachen wir mit dem Rad Richtung Monteriggioni auf. Die ersten Kilometer bis Ancaiano kannten wir von unseren letzten Touren schon sehr genau. Sovicille ließen wir diesmal jedoch rechts liegen und fuhren auf einer sehr schönen ruhigen Straße Richtung Volte Basse. Bei Guisto begegnete uns ein Pärchen auf Rennrädern, denen der Aufstieg zum Passo degli Incrociati noch bevorstand und die so wirkten, als hätten sie ihr Auto gerade eben ganz in der Nähe abgestellt.

Etwa 7km nach Volte Basse lag Pian del Lago vor uns, eine ausgedehnte Senke, die von vielen kleinen Wassergräben durchzogen wird. Der Namen deutet darauf hin, dass sich hier einmal ein See befand, der heute verlandet ist. In den letzten Tagen hatten wir dieses Gebiet schon zweimal an seinem südlichen Rand durchquert. Von der Ostseite aus, an der wir heute entlang fuhren, blickt man an einigen Stellen über diese Fläche hinweg auf die Kirche San Leonardo al Lago.

Bild 1.58: Die Berge der Montagnola
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Um nicht auf den nächsten Kilometern den Hin- und Rückweg über die, wie wir annahmen stärker befahrene SS2 zurückzulegen, sind wir bei Venturina in Richtung Siena abgebogen. Der Verkehr auf der schmalen Straße durch die Vorortsiedlungen und Gewerbegebiete war unangenehm dicht. Zum Glück hatten wir nach wenigen Kilometern, kurz bevor wir die Stadtgrenze überfuhren, die Nebenstraße nach Badese erreicht. Am Rande dieses Ortes erstreckt sich ein weiteres ausgedehntes Gewerbegebiet, eine mehr oder weniger große Firma neben der anderen. Auch die Deutsche Post, oder genauer gesagt, deren internationale Logistiksparte DHL hat sich hier niedergelassen, sicher auch wegen der nahen Autobahn Florenz-Siena.

Kurz hinter dem Ortsausgang stießen wir auf eine kleine gemauerte Rundbogenbrücke. Sicherlich nicht so alt, nicht so schön und vorallem nicht so bedeutend wie die Ponte della Pia, wird sie heute noch als Zufahrt zu einem Feld auf der anderen Seite des kleinen Baches genutzt.

Von hier aus war es nur noch ein kleines Stück, bis die Mauern der mittelalterlichen Festung Monteriggioni vor uns auftauchten. Schon am Sonnabend bot sich uns, von der anderen Seite kommend, dieser faszinierende Anblick. Heute wollten wir auch hinter diese wuchtigen Mauern blicken.

Bild 1.59: Die Mauern der Festung Monteriggioni
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Über das Haupttor, die Porta Romana, erreichten wir den weiträumigen Platz, der mit großen Kopfsteinen gepflastert ist. Auf dessen rechter Seite steht die kleine schlichte Kirche des Ortes. Das Portal war geöffnet und so konnten wir auch das Innere besichtigen. In fast allen anderen Gebäuden, die den Platz einrahmen, befindet sich irgend eine Art von Gastronomie, von der einfachen Bar bis zum vornehmen Fünf-Sterne-Restaurant. Gemessen an der Größe des Ortes eine erstaunliche Dichte. So viele Touristen wie an anderen vergleichbaren Sehenswürdigkeiten sind zumindest heute nicht unterwegs.

Unser Rad schlossen wir mitten auf dem Platz an, direkt neben einem dicken Lambordini-Sportwagen. Zu Fuß erkundeten wir die wenigen kleinen Gassen. Erstaunlich, dass zwischen den Häusern und den massiven Stadtmauern immer noch Platz für den einen oder anderen grünen Hof oder Garten geblieben ist. Von einem Stück ganz neu angelegtem Wehrgang bot sich ein Blick über die Mauern auf das Umland, so wie er sich schon vor Hunderten von Jahren geboten hat, über kleine Felder und Dörfer. Nur die Autobahn hatte die Landschaft noch nicht zerschnitten.

Bild 1.60: Auf der Festungsmauer
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Für den Rückweg nutzten wir die Via Cassia, eine Straße, die von den Römern erbaut wurde und heute als SS2 Florenz mit Rom verbindet. Jetzt am frühen Nachmittag hält sich der Verkehr in Grenzen. Nach 7km bogen wir in die Hügel der Montagnola ab. Kurz bevor wir unser Quartier erreichten, legten wir noch einmal eine Pause ein, in dem Restaurant, in dem wir uns schon am Sonntag gestärkt hatten. Diesmal sah es so aus, als sei geschlossen. Wie sich herausstellte waren wir jetzt am Nachmittag nur die einzigsten Gäste. Dennoch bewirtete man uns reichlich mit einer wohl schmeckenden Portion Spagetti Bolognese.

Nach unserer Ankunft nutzten wir noch die Zeit, um die ehemalige Kirche von La Cetina zu besichtigen. Sie gehört heute zum Besitz unseres Wirts. Der Altar und alles andere religiöse Inventar sind schon vor Jahren entfernt worden, als der Ort fast vollständig aufgegeben war. Jetzt ist sie von Innen wieder instandgesetzt worden und wird von ihrem Eigentümer zum ungestörten

Bild 1.61: Die ehemalige Kirche von La Cetina
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Musikgenuß genutzt. Das Plattenspektrum reicht von Mozart über die Rolling Stones bis zu Pavarotti. Wir hatten unterwegs den Eindruck, das etliche ehemalige Kirchen sich heute in Privatbesitz befinden und zu weltlichen Zwecken genutzt werden. Die einzige Auflage, die unserem Wirt erteilt wurde, bestand darin, dass am äußeren Erscheinungsbild nicht verändert werden darf.

Zum Abendbrot gab als Nachspeise frisch geerntete Feigen von einem Baum ganz in der Nähe der ehemaligen Kirche.

schaefer 2007-10-07