Mi. 27.9. Rund um den M.S.Michele

45,3km; 1150Hm
Nach gut einer halben Stunde Fußmarsch sind wir gerade aus Panzano vom Abendbrot zurückgekehrt. Direkt neben der Kirche liegt eine kleine Bar mit einer von Wein überdachten Terrasse. Von hier aus überblickt man das ganze Tal bis hinüber zum Monte San Michele. Diese Bar ist gleichzeitig auch Café oder Restaurant, je nach Tageszeit. Zum Sattwerden gab es hier nach einer anstrengenden Tour eine große Portion Spagetti mit Käse und grünem Pfeffer, danach für jeden ein Viertel Chianti Classico aus einem der umliegenden Weingüter zusammen mit einem Korb ungesalzenem Weißbrotes - ein passender Ausklang für einen schönen Tag.

Zu verdanken haben wir diesen Abschluss letztendlich dem Coop-Laden von Panzano. Der hatte heute, wie jeden Mittwoch auch, geschlossen. So mussten wir uns nach einer anderen Quelle für das Abendbrot umsehen und erinnerten uns jener kleinen Bar mit der Speisetafel vor der Tür. Am Nachmittag war die Küche

Bild 1.21: Ciovanni di Verrazzono auf dem Piazza von Greve
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geschlossen, erst ab 19Uhr gab es wieder etwas Warmes. Also sind wir nach unserer Rückkehr nach San Martino a Cecione zu Fuß noch einmal aufgebrochen, obwohl wir mit der Umrundung des Mont San Michele schon ein recht anspruchsvolles Tagespensum hinter uns hatten.

Die Abfahrt am Morgen verzögerte sich wieder etwas, allerdings diesmal durch eine vorsorgliche Reparatur am Rad. Die Bremsbeläge erforderten nach den vielen Abfahrten der ersten Tage dringend eine Inspektion und mussten wie erwartet ausgewechselt werden. Danach konnte es losgehen. Zuerst nach Greve, das wir dank 250 Metern Höhenunterschied und guter Straße nach kurzer Zeit erreichten. Auf dem zentralen Platz herrschte jetzt, noch deutlich vor Beginn der Siesta reges Treiben. Alle Geschäfte, auch der Bäcker, hatten geöffnet. Mit einem Brot Integrale im Gepäck ging es von Greve weiter nach Badiacie Monte Neuro. Dazu mussten jedoch ersteinmal gut 500 Meter Höhenunterschied überwunden werden, anfangs auf asphaltierter Straße, später auf den typischen Schotterpisten. Stellenweise war der Weg so steil, dass uns nichts anderes übrigblieb, als unser Rad bergauf zu ziehen. Die Räder

Bild 1.22: Auf dem Weg zum Monte San Michele
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fanden keinen ausreichenden Halt und drehten auf den vielen kleinen Kies- und Splittsteinen einfach durch. Hier trafen wir gleich mehrmals die einzigsten, die nicht motorisiert unterwegs waren - zwei Wanderer auf dem Weg zum Mont San Michele. Mal kamen sie schneller voran , mal wir. Schließlich gabelt sich der Weg und führte entweder zum Gipfel des 892 Meter hohen Berges oder wieder talwärts. Auch wenn der hier aufgestellte Wegweiser ein Restaurant auf dem Gipfel versprach, entschieden wir uns für die abwärtsführende Asphaltstraße. Außer den beiden Wanderern und einigen wenigen Autos war uns niemand auf der Straße von Greve begegnet und so konnten wir uns nicht vorstellen, dass die Lokalität auch wirklich geöffnet hat. Somit hatten wir hier mit 730 Metern den höchsten Punkt unserer Runde erreicht.

Am Eingang des kleinen Weilers Badiacie Monte Neuro versprach ein Schild mit gekreuztem Besteck und Kaffeetasse die dringend notwendige Stärkung, genau wie wir es auch laut Karte erwartet hatten. Aber das Restaurant war laut Aushang seit 14 Uhr geschlossen, obwohl es bei unserer Ankunft noch lange nicht so spät war. Zum Glück hatten wir am Morgen in weiser Voraussicht ausreichend Brote geschmiert, die wir nun, auf einer Bank vor der kleinen Kirche genau gegenüber der geschlossenen Gaststube sitzend, in aller Ruhe essen konnten.

Bild 1.23: Badiacie Monte Neuro
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Gut gestärkt konnte es weitergehen. Die nächsten Kilometer forderten jedoch nur den uns entgegenkommenden Rennradfahrern alles ab. Nicht alle machten dabei einen entspannten und lockeren Eindruck. Mit zum Teil 15% ging es in engen Serpentinen steil bergab, bis wir kurz vor Radda jene Stelle erreichten, an der wir gestern umkehrten, nachdem wir uns verfahren hatten. Kennt man diese Stelle ersteinmal, stellt sie kein Problem mehr dar. Von hier führt dann ein schöner Abschnitt durch das Val de Pessa. Fast ohne zu treten und auch ohne zu Bremsen rollten wir immer leicht bergab durch einen dichten manchmal urwüchsig wirkenden Wald mit viel Unterholz. Auf dieser Abschnitt ist gestern die Radgruppe, der wir in Radda begegneten, von Castellina gekommen.

Für das letzte Stück nach Panzano blieb nur die SS222, auf der wir uns bei mäßigem Anstieg langsam unserem Quartier näherten. Obwohl gerade Feierabendzeit war, hielt sich der Verkehr in Grenzen und man spürte deutlich, dass die Mehrzahl der Kraftfahrer sich eher rücksichtsvoll gegenüber Radfahrern verhält.

schaefer 2007-10-07